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Francisco de Miranda: Vordenker der Revolution in Venezuela
05.07.2026, 04:00
Am 5. Juli 1811 erklärt Venezuela seine Unabhängigkeit von Spanien. Hinter dem historischen Schritt steht auch Francisco de Miranda - heute oft im Schatten Simón Bolívars.
In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
- woran Simón Bolívars Traum von einem vereinten Lateinamerika zerbricht,
- wie die Ideen der Aufklärung den Niedergang des Kolonialismus einläuten,
- welche Kolonien als erste den Weg in die Unabhängigkeit gehen,
- warum die Befreiung Venezuelas zunächst ein Elitenprojekt ist.
Im Juli 1811 erklären einige Provinzen Venezuelas ihre Unabhängigkeit von Spanien. Zum ersten Mal sagt sich auf südamerikanischem Boden eine Kolonie von der spanischen Krone los. Präsident der ersten venezolanischen Republik wird der spanische Offizier und Revolutionär Francisco de Miranda.
Die Geschichte der ersten Republik ist kurz. Ein Bürgerkrieg bricht aus. Kreolen kämpfen gegen die eingewanderten Spanier von der Iberischen Halbinsel. Republikaner gegen Royalisten. Städtische Eliten gegen Landbevölkerung.
Es sind nicht nur die Venezolaner, die gegeneinander Krieg führen. Die spanische Kolonialarmee versucht die Macht des Königs mit Waffengewalt wieder herzustellen. Die Übermacht der spanischen Truppen ist zu groß. Am 25. Juli 1812 unterzeichnet Präsident Francisco de Miranda die Kapitulationsurkunde. Erst 1823 schaffen der südamerikanische Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar und seine Revolutionstruppen, Venezuela für immer von Spanien zu befreien.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Stefan Rinke, Professor für die Geschichte Lateinamerikas, FU Berlin
- Klaus Bodemer, ehemaliger Direktor des Instituts für Iberoamerikakunde, Hamburg
- Margarita Lopez Maya: Zur Geschichte Venezuelas. In: Venezuela heute. Bibliotheca Ibero-Americana. Frankfurt 2011
- Stefan Rinke: Geschichte Lateinamerikas: Von den frühesten Kulturen bis zur Gegenwart. München 2025
- Stefan Rinke: Revolutionen in Lateinamerika: Wege in die Unabhängigkeit 1760-1830. München 2010
- Weiterführende Links:
- Planet Wissen: Kolonialismus - Europas Kolonien
- Stichtag: 17. Dezember 1830 - Simón Bolívar in Kolumbien gestorben
- Stichtag: 6. April 1789 - George Washington wird erster Präsident der USA
- Planet Wissen: Warum heißt Amerika eigentlich Amerika?
- Zeitzeichen: Der Namensgeber Amerikas: Großer Entdecker oder ein Hochstapler?
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Sefa Inci Sufak
Technik: Sascha Schiemann
Warum die Flugzeugentführer von Entebbe ihre Geiseln trennten
04.07.2026, 04:00
Palästinenser und Deutsche entführen ein Flugzeug nach Uganda. Die Geiseln werden in zwei Gruppen geteilt. Dann startet Israel am 4.7.1976 eine Befreiungsaktion.
In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
- warum die Flugzeugentführung eng mit internationalen Terrornetzwerken und dem Nahostkonflikt verknüpft ist,
- wie genau die Geiseln in Uganda voneinander getrennt werden,
- weshalb die Auswahl der Geiseln nicht nur ideologisch, sondern auch strategisch motiviert ist,
- wie eine spektakuläre Militäraktion Israels das Drama beendet,
- wieso das Ereignis später von der "Landshut"-Entführung in der Erinnerung überlagert wird.
Ende Juni 1976 entführen palästinensische und deutsche Terroristen eine Air-France-Maschine auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris. Das Flugzeug wird nach Uganda umgeleitet. Auf dem Flughafen von Entebbe beginnt für die Passagiere eine beklemmende Situation: Die deutschen Entführer teilen sie in zwei Gruppen – Israelis und andere Staatsangehörige. Das erinnert die jüdischen Geiseln an die NS-Zeit.
Während Verhandlungen laufen, plant Israel im Geheimen eine Befreiung. Am 4. Juli 1976 endet die Krise in einer dramatischen Militäraktion, die weltweit Aufsehen erregt.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Robert Wolff (Historiker, Landeszentrale für politische Bildung Hessen)
- Robert Wolff: Im Schatten der "Landshut" - Die Geschichte der Flugzeugentführung nach Entebbe. Erscheint 2027
Weiterführende Links:
- DLF: 50 Jahre Entebbe - Wie verbreitet war der Antisemitismus in der radikalen Linken?
- Zeitzeichen 13.10.1977: Die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut"
Unser Hörtipp:
Vom Geschichtspodcast "Zeitkapsel: Achim, wie hast du Menschen aus der DDR geschmuggelt?" gibt es jetzt alle Folgen in ARD Sounds und überall, wo es Podcasts gibt.
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Martin Herzog
Redaktion: Jakob Schiffer und Sefa Inci Suvak
Skandal und Startschuss: "Nicht der Homosexuelle ist pervers ..."
03.07.2026, 04:00
Am 3.7.1971 feiert Praunheims Film auf der Berlinale Premiere und löst einen Medienskandal aus. Er wird zum Startschuss für die Schwulen‑ und Lesbenbewegung.
In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Scholten:
- dass zwischen 1949 und 1969 doppelt so viele Männer wegen Homosexualität verurteilt werden wie noch während der Nazizeit,
- warum Rosa von Praunheim das Wort "schwul" als selbstbewusste Eigenbezeichnung propagiert,
- wie die ARD-Programmdirektoren zunächst die Ausstrahlung des Films verhindern,
- weshalb er schließlich doch gesendet wird.
Anfang der 1970er-Jahre ist für die meisten homosexuellen Männer undenkbar, offen schwul zu leben. Sie geben sich nach außen bewusst "männlich", um ihre Sexualität zu verbergen. Als größter Feind gilt die "auffällige Tunte", die sofort als homosexuell erkannt wird.
1971 verschiebt Filmemacher Rosa von Praunheim die Perspektiven grundlegend. Seine zentrale Botschaft "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt", packt er gleich in den Filmtitel. Der Film wird heftig diskutiert, auch in der Schwulen-Szene, für die sich "schwul" damals noch nach Beschimpfung anhört.
Praunheim hat damit sein Ziel erreicht: Sein Werk gilt als Initialzündung für eine neue, selbstbewusstere Schwulenbewegung.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Rosa von Praunheim, Anke Vetter: Rosas Rache. Filme und Tagebücher seit 1960. Berlin 2009
- Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt. (Rosa von Praunheim Filmverlag, Berlin 2008)
- Schwules Museum Berlin
Weiterführende Links:
- WDR 5: Erlebte Geschichte – Rosa von Praunheim
- Zeitzeichen: 10.12.1991 - Rosa von Praunheim outet Prominente
- ARD Mediathek: Glückskind - Der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim
- Homepage: Rosa von Praunheim
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Autorin: Gianna Scholten
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
Nostradamus: Der düstere Prophet aus der Provence
02.07.2026, 04:00
Bis heute sind die Prophezeiungen des Nostradamus (gestorben am 2.7.1566) ein Kassenschlager. Aber hat er wirklich in die Zukunft geblickt oder einfach nur zu tief ins Absinth-Glas?
In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
- wie Pest und Kriege die Geschäfte von Nostradamus befeuern,
- warum sein Geschäftsmodell noch heute funktioniert,
- was moderne Wissenschaftler entlarvt haben.
Nostradamus studiert zunächst Medizin und arbeitet als Pestarzt. Berühmt wird er jedoch für seine Prophezeiungen. Dabei formuliert er seine Verse so kryptisch, dass Ereignisse als von ihm vorhergesagt erscheinen.
Das spricht sich bei den Mächtigen seiner Zeit herum: Karl IX. - König von Frankreich - und Königin Katharina von Medici suchen Rat bei Nostradamus und überhäufen ihn im Gegenzug mit Geld. Seine Kritiker vermuten ein lukratives Geschäftsmodell und schreiben seine nächtlichen Visionen dem Alkoholkonsum zu.
Nostradamus selbst bleibt unbeirrt und gibt die Gültigkeit seiner Prophezeiungen mit "von heute bis ins Jahr 3797" an. Ganz Unrecht hat er nicht. Seine Verse füttern zumindest noch im 21. Jahrhundert zahlreiche Verschwörungen und Mythen.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Michelle Huchon (Biografin, Professorin an der Universität Sorbonne)
- Dipl.-Psych. Eberhard Bauer, Institut für Grenzgebiete der Psychologie & Psychohygiene e. V (IGPP), Vorstandsmitglied
- Mireille Huchon: Nostradamus. Paris 2021
- Frank Rainer Scheck: Nostradamus. München 2001
Weiterführende Quellen und Links:
- Kurt Allgeier: Nostradamus. Was jetzt auf uns zukommt. Rottenburg 2014
- Elmar R. Gruber: Nostradamus. Sein Leben, sein Werk und die wahre Bedeutung seiner Prophezeiungen. Bern 2003
- Legenden im Netz: Keine Prophezeiung der Corona-Pandemie (tagesschau)
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Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: Frank Zirpins
19, schwanger, Kapitänin: Mary Ann Patten bezwingt Kap Hoorn
01.07.2026, 04:00
Am 1.7.1856 läuft die Neptune’s Car aus. Als der Kapitän krank wird, übernimmt seine Frau Mary Ann Patten das Kommando - und bringt Crew und Schiff um Kap Hoorn.
In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
- warum Kap Hoorn in Seefahrerkreisen berüchtigt und gefürchtet ist,
- warum das ehrgeizige Unternehmen der Neptune’s Car von Anfang an unter keinem guten Stern steht,
- und wie Mary Ann Patten als Kommandantin eine Meuterei verhindert.
Am 1. Juli 1856 läuft die Neptune’s Car aus dem Hafen New Yorks aus. Mit an Bord, Kapitän Joshua Patten und seine schwangere Frau Mary Ann. Als ihr Ehemann schwer erkrankt, übernimmt die 19-Jährige nicht nur seine Pflege, sondern gleich das ganze Schiff. Mehr als 100 Tage ist Mary Ann die Kommandantin des amerikanischen Handelsschiffs - als erste Frau und ohne formale Ausbildung.
Sie trotzt Stürmen und Eisbergen und verhindert ganz nebenbei noch eine Meuterei des 1. Offiziers. Auch das gefürchtete Kap Hoorn kann Mary Ann nicht stoppen. Nach 136 anstrengenden Tagen bringt sie Mannschaft und Schiff wohlbehalten ans Ziel - und geht damit in die Geschichte ein. Eine maritime Revolution löst sie mit ihrem Erfolg aber nicht aus.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Christine Keitsch, Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser
- Tilar J. Mazzeo: The Sea Captain’s Wife. A True Story of Mutiny, Love, and Adventure at the Bottom of the World. New York 2025
- Ursula Feldkamp: Frauen an Bord von Frachtsegelschiffen 1850 bis 1939 in autobiografischen Quellen. Bremerhaven 2014
- Christine Keitsch: Frauen zur See. Weibliche Arbeitskräfte an Bord deutscher Handelsschiffe seit 1945. Flensburg 1997
Weiterführende Links:
- Stichtag: 29. Januar 1616 - Le Maire und Schouten umsegeln als Erste Kap Hoorn
- Planet Wissen: Handelsschifffahrt
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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse