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Wenn Kinder auszucken: Das Prechtl-Syndrom.
02.11.2014, 16:56
Wenn Kinder auszucken. Das Prechtl-Syndrom. Eine Sendung von Hans Alber.
Genervte Lehrer, geängstigte Eltern und schließlich ein restlos überfordertes Kind. Wenn Kinder zappelig sind, dann bekommen sie in der Schule das, womit sie sich schwer tun: Still sitzen, schreiben und lesen. Spätestens jetzt fällt auf, was früh schon hätte bemerkt und behandelt werden können: das Prechtl-Syndrom.
Hans Alber sprach mit dem Entdecker der Erkrankung Heinz Prechtl, weiters mit der Ehefrau und Ärztin Karin Prechtl-Roth, der Physiologin Christa Einspieler und dem Neurolinguisten Peter B. Marschik.
Zu den Personen:
Univ. Prof. Heinz Prechtl, geb.: 06.07.1927 in Wien, gestorben am 03.07.2014 in Hörgas/Stmk. Heinz Prechtl maturierte 1946 und absolvierte sowohl das Studium der Medizin als auch der Zoologie und Anthropologie. Er ist der Entdecker einer choreatiformen Bewegungsstörung (Prechtlsyndrom) und einer der Begründer der Entwicklungsneurologie. Heinz Prechtl wurde mit 35 Jahren Universitätsprofessor. Und ist Träger zahlreicher Auszeichnungen sowie Ehrendoktor der Universitäten Graz und Genua.
Dr.med.univ. Karin Prechtl-Roth ist die Vizepräsidentin des Prechtl-Zentrums in Graz. Karin Prechtl-Roth untersucht im Zentrum besonders Bewegungsstörungen bei Babies und Kindern oder jungen Erwachsenen mit der Diagnose Cerebralparese.
Univ. Prof. Christa Einspieler studierte Physiologie und Psychologie. Christa Einspieler spezialisierte sich zur Entwicklungsphysiologie und Entwicklungsneurologie, wie motorische Entwicklungen von Embryonen und Kleinkindern, zur Entwicklung von Rechts- und Linkshändern,
Univ. Prof. Peter Marschik studierte Physiologie und Medizin und ist derzeit am Institut für Physiologie als Forschungseinheitsleiter tätig. Sein Interesse gilt der Entwicklungsphysiologie, hier besonders der Psycholinguistik, dem Spracherwerb und –störungen (Rett Syndrom).
Hans Alber ist Sendungsmacher bei Radio Helsinki und Senionrenstudent der Philosophie, sowie Tutor bei Vita Activa, dem Bildungsprogramm für Erwachsene aller Altersstufen an der Universität Graz.
Mehr zum Prechtl-Syndrom und zum Prechtl-Zentrum:
„Beim Prechtl-Syndrom handelt es ich um eine „choreatiforme Bewegungsstörung“, d.h. minimale unwillkürliche (nicht willentliche beeinflussbare) Muskelzuckungen in den Augenmuskeln, den Muskeln der Schultern, Arme oder Finger führen zu motorischer Unruhe des Kindes.
Diese Zuckungen sind z.B. dafür verantwortlich, dass die Kinder beim Lesen die Zeile verlieren und nicht wieder finden. Sie können nicht schön schreiben und haben Schwierigkeiten, einen geraden Strich zu ziehen. Oft sind diese Kinder als aggressiv und schwierig, fälschlich manchmal als hyperaktiv beschrieben.“
Ilija Trojanow: Der überflüssige Mensch – Teil 3
29.09.2014, 14:03
Im dritten Teil der Vortragsreihe von Ilija Trojanow wird es düster, ja apokalyptisch: In Anbetracht der uns bevorstehenden, sich abzeichnenden, globalen Katastrophen!
Die Katastrophenfilme der letzten Jahre zeigen eingänglich die „Feinde“: Zombies, Ausserirdische, Seuchenkranke oder Terroristen. Die Ekligen, die alles Bedrohenden, die Überflüssigen, sie müssen massakriert werden, damit unsere westliche Zivilisation überleben kann. Als Indizien für die Zurüstung im Geiste nennt Ilija Trojanow drei Industriezweige, die besonders rasch weltweit wachsen: die Sicherheits-, die Vermögens- und die Weltuntergangsindustrie á la Hollywood Blockbuster.
Eine Veranstaltung der „Akademie Graz“ in Kooperation mit dem „Literatur h aus Graz“, aufgezeichnet im März 2013.
Gestaltung und Moderation der Sendung Walther Moser.
Literatur: Ilija Trojanow: Der überflüssige Mensch. Unruhe bewahren. Ein Essay zur Würde des Menschen im Spätkapitalismus. Residenz Verlag.
Die weiteren Teile der Vortragsreihe sind unter der Sendereihe „Wissen“ zu finden
Ilija Trojanow: Der überflüssige Mensch – Teil 2
29.09.2014, 12:14
Der Schriftsteller Ilija Trojanow spricht über den optimieren Menschen. Das ist jener Mensch, der besser sein will als all seine Konkurrenten. Dieser Mensch will makellos werden, will perfekt funktionieren und wird somit zum angepassten Diener und Untertanen in Konzernen und Staatsapparaten.
Staaten und Konzerne verwandeln sich in Kommandezentralen die Arbeitskräfte bändigen, kontrollieren und zu Höchstleistungen antreiben. Dabei ist es doch dieser Mensch, der überflüssig wird, weil ihm die Arbeit ausgeht, weil Maschinen noch perfekter, noch besser funktionieren. Gleichzeitig kommen neue Formen des Zusammenarbeitens auf, die ohne Hierarchien auskommen, die sich netzförmig organisieren. „Die Menschen werden die Herrschaftspyramiden verlassen“, sagt Ilija Trojanow
Eine Veranstaltung der „Akademie Graz“ in Kooperation mit dem „Literatur h aus Graz“, aufgezeichnet im März 2013.
Gestaltung und Moderation der Sendung Walther Moser.
Literatur: Ilija Trojanow: Der überflüssige Mensch. Unruhe bewahren. Ein Essay zur Würde des Menschen im Spätkapitalismus. Residenz Verlag.
Die weiteren Teile der Vortragsreihe sind unter der Sendereihe „Wissen“ zu finden
Ilija Trojanow: Der überflüssige Mensch – Teil 1
29.09.2014, 10:16
Sind Sie überflüssig? Eine unverschämte Frage!
Überflüssig sind immer nur die Anderen, von uns kann es nie genügend geben!
„Ein Kleinbauer aus der dritten Welt lebt samt seinen 8, 9 oder 10 Kindern um ein vielfaches nachhaltiger als ein Großstädter einer der Metropolen des Nordens. Ginge es tatsächlich um ökologische Prioritäten müsste man die Überflüssigen zu allererst unter den Superreichen ausfindig machen, deren persönlicher Verbrauch dem ganzer afrikanischer Kleinstädte entspricht!“, so der Schriftsteller Ilija Trojanow
Ilija Trojanow hat in Indien und Südafrika gelebt, er ist in Bulgarien geboren und in Deutschland und Kenia aufgewachsen. Er kennt also jene, von denen er spricht – die indischen Kleinbauern, die Tagelöhner, die Fabrikarbeiter und jene, die auf Müllhalden nach Verwertbarem wühlen.
Eine Veranstaltung der „Akademie Graz“ in Kooperation mit dem „Literatur h aus Graz“, aufgezeichnet im März 2013.
Gestaltung und Moderation der Sendung Walther Moser.
Literatur: Ilija Trojanow: Der überflüssige Mensch. Unruhe bewahren. Ein Essay zur Würde des Menschen im Spätkapitalismus. Residenz Verlag.
Die weiteren Teile der Vortragsreihe sind unter der Sendereihe „Wissen“ zu finden
Klaus Theweleit: Pocahontas II. Buch der Königstöchter
15.09.2014, 19:43
„Man muss sehen, daß die Grundfesten unserer Kultur die Gewalt ist!„, sagt der Schriftsteller und Kulturwissenschafter Klaus Theweleit.
Die „Geschichte der Gewalt“ ist zum Lebensprojekt von Klaus Theweleit geworden. Von den antiken Quellen bis zur gegenwärtigen Popkultur, von Homer bis Walt Disney hat Klaus Theweleit vor allem eines gelernt: im Glanz der Leistungen wird gern übersehen, dass die europäische Kultur in Blut begründet wurde, durch Eroberung, Krieg, Niederwerferung und Vergewaltigung.
So setzt sich die Geschichte des Mittelmeeres jenseits des Atlantiks fort, als Kolonisierung, genauso grausam, wie Sigrid Löffler eingangs des Gesprächs mit Klaus Theweleit auch anspricht.
Zu Klaus Theweleit: Seit nunmehr fast vierzieg Jahren, bekanntgeworden mit dem Buch „Männerphantasien“ schreibt Klaus Theweleit über die Geschichte der Gewalt, besonders der männlichen Gewalt. In vier Bänden befasst sich Klaus Theweleit nun mit den großen Mythen von der Antike bis zur Gegenwart, von Medea bis Pocahontas. Naheliegend nennt Klaus Theweleit seine vier Bände zur Geschichte der Gewalt den „Pocahontas Komplex“.
Die Publizistin und Literaturkritikerin Sigrid Löffler hat mit Klaus Theweleit am 04. Juni 2013 diskutiert. Eingeladen haben die Akademie Graz und das Literaturhaus Graz.
Gestaltung und Moderation der Sendung, Walther Moser.
Literatur:
Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. (Engl. Original: Guns, Germs, and Steel: The Fates of Human Societies)
Dr. Linwood „Little Bear“ Custalow, Angela L. Daniel „Silver Star“: The True Story of Pocahontas: The Other Side of History.
Klaus Theweleit: Pocahontas II. Buch der Königstöchter. Von Göttermännern und Menschenfrauen.