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(149) Was das Darm-Mikrobiom wirklich kann
08.05.2026, 04:00
Was ist dran am "Gut Health"-Hype? Die Mikrobiom-Forschung boomt, doch nicht alle Erkenntnisse sind schon jetzt nutzbar.
Bessere Haut, tieferer Schlaf, unschlagbares Immunsystem: Glaubt man dem Social Media-Hype, ist das Darm-Mikrobiom der Schlüssel zum Gesamtglück. Mit kommerziellen Tests lassen sich Darmbakterien analysieren und der "Enterotyp" bestimmen, Testanbieter versprechen individuelle Ernährungsempfehlungen. Was ist da dran?
Wissenschaftsjournalistin Melanie Stinn hat die Probe gemacht und mit Biomedizinern über die Aussagekraft von Mikrobiomtests gesprochen. Im Gespräch mit Host Korinna Hennig erklärt sie, warum wir streng genommen eine kleine WG in uns haben und was für Folgen es haben kann, wenn darin ein Platz unbesetzt bleibt. Denn die Forschung zum Mikrobiom boomt.
Es geht um Sinn und Unsinn von Probiotika aus Joghurtkulturen, Behandlungsoptionen bei Darmentzündungen und Krebs - und das spannende Modell "Stuhltransfer". Melanies Recherche zeigt, wie viel die Forschung schon weiß - und wie oft der praktische Nutzen der Erkenntnisse von Laien maßlos überschätzt wird.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Über den Zusammenhang von Diversität des Mikrobioms und Gesundheit:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27126039/
FMTs als Therapie
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1205037
FMTs und Wirksamkeit von Krebstherapien
https://www.science.org/doi/10.1126/science.abb5920
FMTs und Risiken
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8784600/
Mikrobiom-Signaturen und Darmkrebs
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7984229/pdf/nihms-1666869.pdf
Fusobakterien und Darmkrebs
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22009990/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29934439/
Ernährung und Mikrobiom
https://www.nature.com/articles/ncomms7342
Alle weiteren Quellen findet ihr im Artikel zur Folge auf der Synapsenseite:
https://www.ndr.de/nachrichten/podcastsynapsen100.html
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(148) Bodennahes Ozon: Treibhausgas als Gesundheitsrisiko
24.04.2026, 04:00
Im Sommer werden auch in Deutschland oft die Grenzwerte für die Ozonbelastung gerissen. Wie kommt das? Und wer ist besonders gefährdet?
Wenn die Sonne im Sommer ausdauernd scheint, schlägt das manchen Menschen auf die Atemwege. Denn UV-Licht verwandelt Abgase, aber auch Emissionen aus der Landwirtschaft zusammen mit Sauerstoff in Ozon. Wie gefährlich ist dieses bodennahe Ozon für die Gesundheit? Und wie hängt das mit dem Klimawandel zusammen?
Dieser Frage ist Sharin Santhiraraja-Abresch nachgegangen. Sie hat mit Umweltmedizinerinnen gesprochen und sich eine Simulationskammer für Treibhausgase angesehen. Im Gespräch mit Host Korinna Hennig erklärt sie, warum die Ozonbelastung auf dem Land oft größer ist als in der Stadt, weshalb Kinder besonders gefährdet sind, und inwiefern die Erderwärmung das Problem verschärfen kann.
Eine Recherche voller paradoxer Erkenntnisse – und trotz allem einem Ausblick, der Hoffnung macht. Denn der erfolgreiche Kampf gegen das Ozonloch in der Atmosphäre könnte eine Blaupause auch für Maßnahmen gegen bodennahes Ozon sein.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Risikogruppen/Gesundheitliche Auswirkungen von bodennahem Ozon:
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/GBEDownloadsJ/Focus/JHealthMonit_2023_S4_Luftschadstoffe_Sachstandsbericht_Klimawandel_Gesundheit.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Trends in der Ozonbelastung:
https://www.eionet.europa.eu/etcs/etc-he/products/etc-he-products/etc-he-reports/etc-he-report-2024-16-european-surface-ozone-the-potential-of-mitigating-methane-and-other-precursors
Modellierungen und epidemiologische Daten zu Notfällen, Hospitalisierung und Mortalität durch Ozonbelastung:
https://www.eea.europa.eu/en/analysis/publications/air-quality-in-europe-2022/health-impacts-of-air-pollution-in-europe-2022
Daten zur Luftqualität in Deutschland:
https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftdaten
Ökologische Effekte und VOC-Emission durch Pflanzen:
https://link.springer.com/article/10.1007/s10886-009-9732-3
Ernteverluste durch troposphärisches Ozon:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749125010279?via%3Dihub
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(147) Die Impfstoffe der Zukunft
10.04.2026, 04:00
Warum müssen Impfungen eigentlich per Spritze verabreicht werden? Was kann man tun, damit mRNA-Impfungen verträglicher werden? Und könnte der Durchbruch durch BionTech & Co. auch gegen ganz andere Erreger von Nutzen sein?
Diesen Fragen ist Wissenschaftsjournalist Joachim Budde nachgegangen. Im Gespräch mit Host Korinna Hennig berichtet er von verblüffenden Forschungsansätzen: Er hat Münchner Wissenschaftlicher:innen in ihrem Labor besucht, die an Impfungen per Inhalator arbeiten - und damit vielleicht sogar die Effektivität von Impfstoffen steigern können.
Joachim Budde erklärt, weshalb kleine Fettbläschen Schuld an Herzmuskelentzündungen haben könnten und wie man das versucht zu ändern. Es geht um Nanopartikel im Zwiebelprinzip, ärgerliche Nebenwirkungen von Wasser, den langen Schatten der Influenza und die Frage, warum viele Menschen Impfungen eigentlich befürworten und sich dann doch nicht impfen lassen.
Hinweis: Am Ende dieser Podcastfolge hat sich leider ein kleiner Fehler eingeschlichen. Bei 1'06 sprechen wir von Diphterie als einer "Durchfallerkrankung". Das ist nicht korrekt: Diphterie ist eine schwere Infektionskrankheit, die meist mit einer Rachenentzündung beginnt und tödlich sein kann. Wir bitten um Entschuldigung!
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Forschung zu Vektorimpfstoff gegen Covid per Nasenspray: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38307868/
mRNA-Impfung als Nasenspray: https://www.nature.com/articles/s41586-025-08910-6#Sec7
Studie an Mäusen zu Impfung per Zahnseide: https://www.nature.com/articles/s41551-025-01451-3
Studie in Zellkultur und Mäusen zur mRNA-Impfung per Inhalator:
https://www.cell.com/cell-biomaterials/fulltext/S3050-5623%2825%2900302-2
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(146) Krankheitsangst: Jeder Kopfschmerz ein Hirntumor?
27.03.2026, 05:00
Ist das Kribbeln in den Beinen Multiple Sklerose? Das Ziehen im Arm ein Herzinfarkt? Für Menschen mit Krankheitsangst ist der eigene Körper eine einzige Bedrohung.
Bis zu 15 Millionen Menschen in Deutschland kennen Krankheitsangst - zumindest zeitweise. Meist lässt die Angst nach ein paar Tagen wieder nach. Wenn sie aber über mindestens sechs Monate bleibt, wird aus der Sorge eine behandlungsbedürftige Störung. Verstärkt wird sie oft durch das, was wir alle kennen: Die fatale Symptom-Suche bei Google.
Unser Autor Patric Seibel hat Psychotherapeuten besucht und gefragt: Wo verläuft die Grenze zwischen gesunder Wachsamkeit und krankhafter Angst? Kann Krankheitsangst paradoxerweise sogar schützen? Und warum können Schuldgefühle dabei eine Rolle spielen? Die Antworten gibt's im Gespräch mit Host Melanie Stinn.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Fachbuch zur Aus- und Fortbildung von Therapeut:innen zur Krankheitsangststörung: Karoline Sophie Sauer, Michael Witthöft: Krankheitsängste und Hypochondrische Störung, Thieme E-Journal, DOI: 10.1055/a-0888-7784
Fachbuch zur Aus- und Fortbildung von Therapeut:innen zur Krankheitsangststörung: Gaby Bleichhardt, Florian Weck, Kognitive Verhaltenstherapie bei Hypochondrie und Krankheitsangst, Springer Medizin Verlag, Heidelberg: 2007
Experiment: Googeln und GesundheitsApps haben gleiche Effekte auf Krankheitsangst Stefanie M. Jungmann, Sebastian Brand, Johanna Kolb, Michael Witthöft: Do Dr. Google and Health Apps Have (Comparable) Side Effects? An Experimental Study
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(145) Wenn Armut krank macht
27.02.2026, 05:00
Obwohl der deutsche Sozialstaat gut funktioniert, sterben arme Menschen auch hier früher als reiche. Welche Konzepte kennt die Forschung dagegen?
Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland leben in Armut. Eine erdrückende Zahl von Studien zeigt: Sie haben ein deutlich höheres Risiko zu erkranken - an Herz-Kreislauf-Symptomen, Depressionen, und sogar Infektionen. Das Risiko, seinen 65. Geburtstag nicht zu erleben, ist für arme Menschen doppelt so hoch wie für andere. Wie kann das sein, in einem wohlhabenden Land wie der Bundesrepublik? Und was muss anders laufen?
Unser Autor Sebastian Friedrich hat sich epidemiologische Daten dazu angesehen und Fachleute vom Robert Koch-Institut und aus der Medizinsoziologie dazu befragt. Im Gespräch mit Host Korinna Hennig berichtet Sebastian von seinem Besuch in der Poliklinik auf der Hamburger Elbinsel Veddel. Er erläutert, warum die Forschung auf Verhältnisänderung statt Verhaltensänderung setzt und was dafür getan werden kann. Und er erzählt, inwiefern er ganz persönlich von den gesundheitlichen Folgen sozialer Bedingungen in seiner Kindheit betroffen ist.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
RKI-Studie zu Lebenserwartung nach Daten des SOEP:
https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/5909/JoHM_01_2019_Mortalitaet_Lebenserwartung.pdf?sequence=1&isAllowed=y
RKI-Studie zur Lebenserwartungslücke nach Einkommensverteilung:
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/GBEDownloadsJ/Focus/JHealthMonit_2025_01_Lebenserwartungsluecke.pdf?__blob=publicationFile&v=5
Meta-Analyse zu Jobunsicherheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
https://www.bmj.com/content/347/bmj.f4746.abstract
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