Geschichten aus Aarau

Geschichten aus Aarau

Von Manuel Näf und Simon Kalberer
Von Manuel Näf und Simon Kalberer Sprache: german
Mehr als Lokalgeschichte(n)! Die beiden Historiker Manuel Näf und Simon Kalberer erzählen sich Geschichten aus der Vergangenheit der Aargauer Kantonshauptstadt und blicken aus lokaler Perspektive auf Ereignisse, Zusammenhänge und Entwicklungen, welche die Stadt, die Schweiz, Europa und manchmal auch die Weltgeschichte prägten. Ein Podcast, in dem Geschichte nicht in Büchern, sondern vor der eigenen Haustür stattfindet.

Alle Episoden

#44: "Polenschwärmerei" um 1831 - Das Aarauer Polenkomité

23.02.2026, 18:15

Nach der Julirevolution 1830 in Frankreich fordern liberale Kräfte in vielen Staaten Europas ein Ende der restaurativen Ordnung des Wiener Kongresses von 1815. Auch in Polen, das in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zwischen Russland, Preussen und Österreich aufgeteilt wurde, kommt es im November 1830 zum Aufstand. Eine "Polenschwärmerei" macht sich besonders in Deutschland und der Schweiz unter den Liberalen breit: Es entstehen Polenvereine und -komités, die die Polen bei ihrem Freiheitskampf unterstützen wollen - auch in Aarau. Und sie sind gefordert, als nach der Niederschlagung zahlreiche Aufständische Zuflucht in Westeuropa suchen.

In dieser Folge rekonstruieren wir die Arbeit des Aarauer Polenkomités anhand von Archivquellen und blicken auf die Flüchtlinge, welche 1832 auch Aarau erreichen.

Viel Vergnügen wünschen euch Manuel und Simon


Lob, Kritik, Feedback oder Anregungen für weitere Folgen nehmen wir gerne entgegen! Ihr erreicht uns per Mail geschichten.aus.aarau@gmail.com oder auf Instagram @geschichtenausaaraupodcast.

Quellen und Literatur: *Riggenbach, Heinrich: "Polen". In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) online. Letzter Aufruf, 21.02.2026. *Nachlass von Gottlieb Hagnauer, Polen-Komitee in Aarau. Unterlagen und Korrespondenz. Staatsarchiv Kanton Aargau (StAAG), Signatur NL.A - 0069. *Zschokke, Heinrich: Der aufrichtige und wohlerfahrene Schweizerbote,

#43: Woher kommen Museumsobjekte? Die Naturhistorische Sammlung der ANG unter der Lupe

26.01.2026, 18:00

Edit: Wir danken den Zuhörer*innen für Rückmeldungen und Korrekturen. Hier einige Hinweise:

  • Der Riesenalk (alca impennis) sieht zwar aus wie ein Pinguin, ist aber keiner.
  • Auch der Bundesrat Frey-Herosé war Mitglied und sogar kurzzeitig Präsident der ANG.
  • Das Naturama verfügt zusätzlich auch über eine wichtige botanische Sammlung, welche in der Folge unerwähnt blieb.

In einer Sammlung wie jener des Naturama gibt es unzählige Schätze und Sehenswürdigkeiten. Viele der Objekte stammen aus den Sammeltätigkeiten der Aargauischen Naturhistorischen Gesellschaft (ANG). Bei weitem nicht alle Objekte sind jedoch so weit erforscht, dass wir heute genau wissen, woher sie ursprünglich kommen und wie sie nach Aarau in die naturhistorische Sammlung gelangten. Simon und Manuel besprechen diese Fragen in dieser Folge in drei Teilen: Erstens behandeln wir die Entstehung der ANG und die historischen Kontexte, in welcher sie gegründet wurde. Zweitens sprechen wir über die Naturvorstellungen des 19. Jahrhunderts und die Auswirkungen bis heute. Am Schluss geht Manuel auf die Provenienz eines ganz besonderen Objektes ein: eine Mumie mit Sarkophag aus Ägypten.

Viel vergnügen wünschen euch Simon und Manuel

Wir freuen uns wie immer über Anmerkungen und Kritik per Mail via geschichten.aus.aarau@gmail.com oder auf Instagram @geschichtenausaaraupodcast

verwendete Literatur und Quellen

*Aargauische Naturforschende Gesellschaft (Hg.): Mitteilungen der aargauischen Naturforschenden Gesellschaft 12 (1911), 16 (1923). *Caspari et al.: Establishing Provenance and Provenience of Human Remains in Swiss Museum Collections, in: Journal of Cultural Heritage 73 (2025), 543–548. *Küffer, Alexandra/Siegmann, Renate: Unter dem Schutz der Himmelsgöttin. Ägyptische Särge, Mumien und Masken in der Schweiz, Zürich 2007.

*Eingangsbücher des Naturhistorischen Museums (Naturama) Nr. 1-3. *Staatsarchiv Aargau (StAAG): DE02/0057/02. Ankauf der ornithologischen Sammlung des Bundesrats Frey-Herosé (1865). *StAAG DE02/0559-0569. Staatssammlungen, Gemäldesammlung, Naturalienkabinett 1867-1877. *StAAG DE02/0570-0594. Naturhistorische Sammlung 1878-1902. *StAAG DE02/0578/03. Antiquitätensammlung 1886.

#42: "Aus der Zeit. Eine Spurensuche": das aussergewöhnliche Leben von Lili Glarner

24.11.2025, 18:05

Gespräch mit Peter Jakob Kelting und Nathalie Imboden

Nach der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 gerät auch die junge Aargauerin Lili Glarner in Berlin in die Fänge der berüchtigten Gestapo. Sie soll für den kommunistischen Widerstand Militäranlagen ausspioniert haben. Während ihrer 15-monatigen Haft schreibt sie Briefe in die Heimat, ihr Vater Paul Glarner setzt derweil alle Hebel in Bewegung, um seine Tochter freizubekommen.

Mit seinem Stück "Aus der Zeit. Eine Spurensuche" bringt Peter Jakob Kelting das bewegte Leben von Lili Glarner auf die Theaterbühne. Im Podcast erzählt er anhand von bisher unveröffentlichten Archivfunden im In- und Ausland Lili Glarners Leben und wir sprechen mit ihm über die Herausforderungen, mit historischen Quellen ein Bühnenstück zu gestalten. Mit Auszügen aus den Originaldokumenten, gelesen von Schauspielerin Nathalie Imboden.

Wir wünschen euch viel Vergnügen Manuel und Simon

Spieldaten "Aus der Zeit. Eine Spurensuche":

  1. Dezember 2025, Matinée mit Dramaturg und Autor Peter Jakob Kelting und Gästen, Theater Tuchlaube, Aarau

  2. Dezember 2025, Premiere, Theater Tuchlaube, Aarau 17./ 18. Dezember 2025, Bühne Aarau, Theater Tuchlaube, Aarau ->Tickets unter www.buehne-aarau.ch

  3. Februar und 1. März 2026, Theater im Kornhaus (ThiK), Baden ->Tickets unter www.thik.ch

21./22./23. Mai 2026, Tojo, Reitschule Bern, Bern ->https://tojo.ch/

Feedback, Anmerkungen, Lob oder Richtigstellungen nehmen wir gerne entgegen unter geschichten.aus.aarau@gmail.com oder auf Instagram @geschichtenausaaaraupodcast.

#41: Erstbesteigung der Jungfrau - Aarauer Wegbereiter des modernen Alpinismus

27.10.2025, 18:05

Eine Geschichte der Alpinexpeditionen von J.R. Meyer 1811 und 1812

Er wolle sich nicht durch unnötige Lasten an die "äussersten Wagestücke" hindern lassen, schreibt der Aarauer Seidenbandfabrikant Johann Rudolf Meyer in seinem Bericht über die Erstbesteigung der Jungfrau 1811. Doch als Meyers Bericht erscheint, wird die Erstbesteigung bestritten, sodass Meyer 1812 eine zweite Expedition unternimmt. Während den beiden Aarauer Alpinexpeditionen 1811 und 1812 gelingen Johann Rudolf Meyer und seinen Begleitern nicht nur mehrere spektakuläre Erstbegehungen. Die erhaltenen Berichte zeugen ebenfalls von einem einsetzenden Wandel im Alpinismus: Weg von wissenschaftlichen Expeditionen hin zum Bergsteigen als Freizeitvergnügen. In der neuen Episode begleiten Manuel und Simon die Aarauer Bergsteiger auf ihren beiden Expeditionen und reden dabei auch über die Entstehung des heutigen Bergsteigens als Sport.

Viel Vergnügen wünschen euch Simon und Manuel


Über Lob, Kritik, Anregungen und Feedback freuen wir uns sehr. Gerne per Mail an geschichten.aus.aarau@gmail.com oder auf Instagram @geschichtenausaaraupodcast.

Primärquellen zur Folge:

*Reise auf den Jungfrau-Gletscher und Erstbesteigung seines Gipfels. Von Joh. Rudolf Meyer und Hieronymus Meyer von Aarau im Augustmonat 1811 unternommen. In: Miszellen für die Neuste Weltkunde Nr. 68, 24. August 1811.

*Zschokke, Heinrich: Reise auf die Eisgebirge des Kantons Bern und Ersteigung ihrer höchsten Gipfel im Sommer 1812. Aarau 1813.

Sekundärliteratur:

*Anker, Daniel: Von Meyer zu Heckmair, von Studer zu Beck. Der Bergsport im Berner Oberland. In: Berner Zeitschrift für Geschichte 81/2019, Heft 3. S. 153-175.

*Meinherz, Paul: "Alpinismus", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) online. letzter Abruf: 22.10.2025.

*Schweizer Alpen-Club SAC, Sektion Aarau (Hg.): 150 Jahre SAC Sektion Aarau 1863-2013. Aarau 2013.

#40: Vergessene Erinnerung - Sempacher Gedenken in Aarau im Spätmittelalter

22.09.2025, 17:10

Habsburger Erinnerungskultur in Aarau

Sempach um 1386 - Herzog Leopold III. von Habsburg und eine grosse Zahl seiner Gefolgsleute werden von den Eidgenössischen Orten vernichtend geschlagen. Auch Aarauer Bürger kämpfen an der Seite des Habsburgers. Im Laufe der Jahrhunderte wird das Ereignis auf eidgenössischer Seite legendenhaft ausgeschmückt und in das Bild mittelalterlicher "Befreiungskriege" gegen Habsburg eingeordnet, die legendäre Figur von Arnold Winkelried zum Symbol von Kampfgeist und Opfermut. Ganz anders blickt man auf Seiten der Verlierer auf das Ereignis: "Auf dem Seinen, von den Seinen um das Seine" sei Herzog Leopold III. bei Sempach gebracht worden. Und wo steht Aarau? In der Folge sprechen wir über die Aarauer Erinnerung an Sempach im Spätmittelalter, blicken auf weitere Aargauer Kleinstädte und betrachten die Beziehung der Stadt zu ihren illustren Stadtherren im 14. Jahrhundert.

Viel Vergnügen wünschen euch Manuel und Simon

Wir freuen uns über euer Feedback, Lob oder Richtigstellungen. Per Mail an geschichten.aus.aarau@gmail.com oder auf Instagram @geschichtenausaaraupodcast.

Literatur und Quellen zur Folge:

*Jahrzeitbuch der Stadt Aarau von 1360. Stadtarchiv Aarau, Signatur Nr. 604. *Jahrzeitbuch der Stadt Aarau von 1504. Stadtarchiv Aarau, Signatur Nr. 606. *Hugener, Rainer: Buchführung für die Ewigkeit. Totengedenken, Verschriftlichung und Traditionsbildung im Spätmittelalter. Zürich 2014. *Stercken, Martina: Formen herrschaftlicher Präsenz. Die Habsburger in ihren Städten im Gebiet der heutigen Schweiz. S. 149 - 168. In: Rauschert, Jeannette; Teuscher, Simon; Zotz, Thomas (Hgg.): Habsburger Herrschaft vor Ort - weltweit (1300-1600). Ostfildern 2013.