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Albinismus, Dermatoonkologie und Auslandshilfe in Malawi
19.05.2026, 05:00
Albinismus in Afrika – Medizinische Herausforderungen und soziokulturelle Realität
In dieser Episode des „Auflicht Podcast“ spricht Dr. Christian Posch mit der Dermatologin Dr. Marlis Wruhs über ihre langjährige humanitäre Arbeit in Malawi. Die Folge beleuchtet die medizinischen Konsequenzen des okulokutanen Albinismus (OCA) in Regionen mit extrem hoher UV-Exposition und diskutiert die notwendigen Strategien zur Senkung der damit verbundenen hohen Morbidität und Mortalität.
Wissenschaftliche Kernpunkte:
Genetik und Pathophysiologie: Der Albinismus ist eine autosomal-rezessive Störung der Melaninbiosynthese, bei der Melanozyten zwar vorhanden, aber biochemisch inaktiv sind. Da Melanin als essenzieller Breitband-UV-Filter und Antioxidanz fungiert, führt sein Fehlen zu einem ungebremsten akkumulierenden UV-Schaden der DNA in den Keratinozyten.
Während die Prävalenz weltweit bei etwa 1:20.000 liegt, erreicht sie in afrikanischen Ländern wie Malawi Raten von bis zu 1:1.500. In Kombination mit einem ganzjährig hohen UV-Index von 10–12 führt dies zu einer massiven Belastung der Haut, vor allem bei Menschen mit Albinismus.
Dermatoonkologie: Das Plattenepithelkarzinom (SCC) ist beim afrikanischen OCA der dominierende Hauttumor und zugleich die Haupttodesursache; über 90% der Betroffenen erreichen nicht das 40. Lebensjahr. Die Therapie stützt sich fast ausschließlich auf die chirurgische Exzision unter improvisierten Bedingungen, da moderne Systemtherapien (z. B. Immuntherapien) oder Strahlentherapie kaum oder garnicht verfügbar sind.
Prävention und soziale Faktoren: Neben der Primärprävention durch Sonnenschutzmittel und UV-Kleidung spielen die Aufklärung über Mythen (z. B. „Glücksbringer-Kräfte“ von Albino-Knochen) und der Schutz vor Diskriminierung und Gewalt eine entscheidende Rolle für das Überleben der Betroffenen.
Dr. Marlis Wruhs ist Dermatologin an der Klinik Hietzing und engagiert sich seit 2019 über den Verein Tumaini (https://masalu.at/) für die dermatologische Versorgung und Ausbildung in Malawi.
ÖADF Jahrestagung 2026 – Innovation, Klinik und Gesundheitspolitik
05.05.2026, 11:09
In dieser Folge berichtet Christian Posch direkt von der ÖADF-Jahrestagung in Salzburg. Interviews mit führenden Experten der österreichischen Dermatologie bieten in dieser Folge einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der klinischen Forschung, die Rolle der künstlichen Intelligenz, und über die Herausforderungen gesundheitspolitischer Weichenstellungen.
- Das Profil der ÖADF: Die Tagung zeichnet sich durch ein breites klinisches Spektrum aus, das durch die aktive Einbindung spezialisierter Arbeitsgruppen und namhafter Referenten die gesamte Breite der österreichischen Dermatologie abbildet. Ein besonderer Fokus liegt auf der Nachwuchsförderung und der Integration junger Assistenzärzte in die Programmgestaltung.
- Innovation und Technologie: Diskutiert werden die Schwerpunkte der Präzisionsmedizin, Immundermatologie und Dermatoonkologie. Ein zentrales Thema ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), die bereits zur administrativen Unterstützung genutzt wird und künftig verstärkt in der Diagnostik und Befundung assistieren soll, wobei die Bedeutung der „menschlichen Intelligenz“ für komplexe Differenzialdiagnosen betont wird.
- Dermatopathologie: Experten fordern eine Stärkung der klinisch-pathologischen Korrelation. Trotz des Potenzials der KI bleibt der menschliche Input bei der Formulierung schwieriger Diagnosen unter Berücksichtigung des klinischen Gesamtbildes essenziell. Es wird an Kliniken und Forscher appelliert, die Dermatopathologie als integralen Bestandteil des Fachgebietes zu erhalten.
- Update Allergologie: Im Fokus steht das Delabeling von Penicillinallergien. Angesichts hoher Raten an Fehldiagnosen ist die Integration von Allgemeinmedizinern und die Anpassung elektronischer Gesundheitsakten (ELGA) notwendig, um den Status „Verdacht auf Allergie“ wissenschaftlich fundiert zu widerlegen. Zudem wird der Verlust des renommierten Experten Knut Brockow gewürdigt.
- Berufspolitik und die Zukunft der ÖGDV: Der designierte Präsident der ÖGDV, Franz Trautinger, skizziert die Ziele seiner Amtszeit: Stabilität, die Umsetzung medizinischer Innovationen und die Bekämpfung der fachärztlichen Unterversorgung in ländlichen Regionen.
- Gesundheitspolitik und Ökonomie:
Ausblick: Die nächste Jahrestagung findet 2027 in Wien statt.
Haarausfallserkrankungen
19.02.2026, 20:00
Prof. Johannes Griss und ich besprechen Haarausfall, der weit mehr als nur ein kosmetisches Ärgernis ist. Er rührt an den Kern des subjektiven Gesundheitsempfindens, wie eine Studie zeigt, in der 46 % der befragten Krebspatientinnen den Haarverlust als traumatischer empfanden als ihre Mastektomie.
Dank der modernen Trichoskopie, die heute als Goldstandard der Diagnostik gilt und die klassische Histologie oft übertrifft, lassen sich Erkrankungen wie die Alopecia Areata oder vernarbende Formen wie der Lichen Planopilaris meist unkompliziert identifizieren. Ob „Ausrufezeichenhaare“ bei Autoimmunprozessen oder variierende Haardurchmesser bei der androgenetischen Alopezie, die Kopfhaut verrät unter der Lupe oft mehr als eine Biopsie.
Dabei ist die funktionelle Rolle von Haaren, etwa der Schutz der Augen durch Wimpern und Brauen vor Staub und Infektionen, medizinisch hochrelevant und darf bei der Anamnese nicht unterschätzt werden.
In der Therapie weht ein frischer Wind: Während das telogene Effluvium nach Stressereignissen wie einer Covid-Infektion von selbst wieder nachwächst, bieten bei schweren Fällen von Alopecia Areata moderne JAK-Inhibitoren völlig neue Perspektiven mit Ansprechraten von rund 40 bis 60 %. Doch High-Tech ist nicht alles; auch „Oldies“ wie Low-Dose-Minoxidil oder Metotrexat zeigen in der Praxis beeindruckende Erfolge bei deutlich geringeren Kosten.
Am Anfang steht jedoch immer das Shared Decision Making, denn da Haarausfall keinen zwingenden medizinischen Behandlungsbedarf hat, muss jede Therapie individuell auf den Leidensdruck und die Lebensplanung der Patienten abgestimmt werden.
Weitere Folgen unter: www.wayfinder.at oder www.DermaTV.at
Warzen, HPV und grüner Tee?
29.01.2026, 05:00
Das humane Papillomvirus: Ein omnipräsenter Überlebenskünstler
Das humane Papillomvirus (HPV) ist ein hüllenloses Doppelstrang-DNA-Virus, das im Tierreich weit verbreitet ist, wobei die humanen Typen ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen werden. Es gilt als omnipräsent, da nahezu jeder Mensch Träger dieser Viren ist, die sich in den Haarfollikeln oder im Genitalbereich ansiedeln. Trotz seiner einfachen Struktur ist das Virus extrem resistent gegenüber Umwelteinflüssen und kann sogar in Schwimmbecken oder auf öffentlichen Toiletten überdauern.
Pathogenese und Onkogenität
Die einzige Zielzelle des Virus ist der Keratinozyt. Über kleinste Mikrorisse in der Haut oder Schleimhaut gelangt das Virus in die Basalmembran, wo es sich teilende Zellen für seine eigene Replikation nutzt. Von den über 200 bekannten Typen werden klinisch insbesondere die kutane von der Schleimhaut-assoziierten Gruppe sowie benigne von onkogenen Typen unterschieden.
Besondere medizinische Relevanz haben die Hochrisiko-Typen wie HPV 16, das in über 50 % der Zervixkarzinome nachgewiesen wird. Die virale Onkogenität beruht auf den Proteinen E6 und E7, die in das Wirtsgenom integrieren und die Zellzykluskontrolle (unter anderem über P53) stören. Neben dem Gebärmutterhalskrebs ist HPV ursächlich für eine Vielzahl anderer Tumoren, darunter Anal-, Vulva-, Penis- und Kopf-Hals-Karzinome.
Diagnostik und Therapie
Während die klinische Diagnose von Warzen oder Kondylomen meist eindeutig ist, bietet die PCR-Typisierung eine hochsensible Methode zum Nachweis onkogener Typen, sollte jedoch gezielt eingesetzt werden, um unnötige Verunsicherung bei Patienten ohne klinischen Befund zu vermeiden.
In der Therapie gibt es neben destruktiven Verfahren (Kryotherapie, Laser) einen innovativen Ansatz mittels Grüntee-Extrakt (Polyphenone/Katechine). Dieser Wirkstoff ist hocheffizient, da er mehrere Schritte der viralen Infektion und Replikation unterbindet sowie den programmierten Zelltod (Apoptose) infizierter Zellen fördert, wobei er nahezu keine Nebenwirkungen zeigt. Bei gewöhnlichen Hautwarzen, insbesondere bei Kindern, ist aufgrund der hohen Spontanheilungsrate oft eine zurückhaltende Strategie („First do no harm“) ratsam.
Prävention
Die Impfung gegen den Krebs Die prophylaktische 9-fach-Impfung gilt als entscheidender Durchbruch, da sie effektiv vor den wichtigsten onkogenen Typen sowie vor Kondylomen schützt. Länder wie Australien demonstrieren, dass eine flächendeckende Impfung von Mädchen und Jungen die Rate an Zervixkarzinomen und Genitalwarzen massiv senken kann. Professor Stockfleth betont abschließend die Bedeutung der klinischen Sorgfalt: Da viele Patienten sich „schmutzig“ fühlen, ist eine offene Kommunikation und gründliche körperliche Untersuchung („Durch die Hose stellt man keine Diagnose“) unerlässlich, um die Erkrankung zu entmystifizieren.
Nexus: Derma-Rheuma
16.01.2026, 05:00
Interdisziplinäre Insights: Dermatologie und Rheumatologie im DialogIn dieser Episode der Rheumatologe Prof. Kurt Redlich, Leiter des Zentrums für Diagnostik und Therapie rheumatischer Erkrankungen in Hietzing zum Gespräch beim Auflicht Podcast.
Wir diskutieren über die Überschneidungen und Zusammenarbeit zwischen Dermatologie und Rheumatologie. Die Diskussion umfasst unter anderem den Einsatz von bildgebenden Verfahren, Ultraschall und verschiedene Diagnostikmethoden. Zudem werden aktuelle und zukünftige Therapien, einschließlich Biologika und JAK-Inhibitoren, sowie Red Flags für Überweisungen besprochen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Bedeutung der klinischen Einschätzung und der interdisziplinären Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten.01:03 The Intersection of Dermatology and Rheumatology03:04 Challenging Cases in Rheumatology12:20 The Evolution of Psoriasis Treatment22:58 Advancements in Lupus Therapy29:00 Future Directions in Rheumatology30:09 Introduction to Tissue Resident Cells30:55 CAR-T Cell Therapies and Bivalent Antibodies31:34 Case Study: Systemic Sclerosis Treatment33:06 Early Signs and Diagnosis of Systemic Sclerosis34:31 Diagnostic Techniques in Rheumatology38:32 The Role of Imaging in Diagnosing Rheumatic Diseases45:09 Ultrasound in Rheumatology49:23 JAK Inhibitors in Rheumatoid Arthritis52:31 Red Flags and When to Refer to a Rheumatologist57:07 Final Thoughts and Key Takeaways